Zum Abschluss hat zwei666.de einige der regelmäßigsten Bolaño-Kolumnisten der vergangenen Monate gebeten, einige Fragen zum Roman in möglichst wenigen Sätzen zu beantworten. Die Antworten werden in den Tagen bis zum neuen Jahr hier in drei einzelnen Beiträgen veröffentlicht.
- Welcher Teil von 2666 hat Dir am besten gefallen?
Günter Landsberger: In dieser Reihenfolge, in kaum nennenswerten Abständen: Teil I, V, IV, II, III. Vor allem aber das Zusammenspiel aller Teile.
Jürgen Lübeck: Wahrscheinlich untypisch, unterschätzt: Der Teil von Amalfitano.
Andreas Gierth: Eigentlich haben mir alle Teile gleich gut gefallen. Am intensivesten beim Lesen war vielleicht der “Teil von den Verbrechen”.
Dietmar Hillebrandt: Teil 1 und 2, leider habe ich das Ziel noch nicht erreicht und kenne den 5. Teil immer noch nicht. Freue mich aber drauf!
Thorsten Wiesmann: Am besten hat mir der fünfte Teil gefallen.
Marvin Kleinemeier: Der Teil von Fate hatte für mich das befriedigendste Ende. Die Fahrt in die Freiheit(?) mit Amalfitanos Tochter hat mich sehr beeindruckt. Festlegen kann ich mich jedoch nicht, da jeder Teil für sich seine Berechtigung hatte, obwohl Bolaño am 5.Teil vielleicht noch etwas verändert hätte.
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- Welche Figur ist Dir nahe gegangen?
Günter Landsberger: Ansky; Ingeborg, Liza Norton (weil ein Geheimnis bleibt)
Jürgen Lübeck: Amalfitano. Seine Reflektiertheit, seine Schicksalsschläge, sein Durchkämpfen, seine Sorge um die Tochter, seine Unruhe, sein Wandeln zwischen Lateinamerika, Mexiko, Spanien - wie viel steckt von Bolaño selbst in ihm?
Andreas Gierth: Viele Figuren hatten etwas, was mir nahe gegangen ist. Was mir nahe geht, war auf die Figuren verteilt.
Dietmar Hillebrandt: Amalfitano (und Norton)
Thorsten Wiesmann: Die Figur die mir am nächsten gekommen ist: Natürlich Archimboldi.
Marvin Kleinemeier: Mir ging Fate sehr nahe. Trotz des eher kühl erzählten Kapitels.


Von den Figuren (Liz Norton, Archimboldi, Amalfitano …) werden im Roman ab und an (meistens anfangs) etwas ungünstigere Eindrücke als zuletzt (oder zwischendurch) in uns Lesern geweckt. Wie wirkt sich dies auf unsere Gesamtbeurteilung aus? Ansky wirkt auf mich wie Archimboldis Jean-Baptiste (Giovanni-Battista, Johannes der Täufer), dessen wahre Größe unerkannt bleibt und dessen eigentliche Geltung durch die Umstände verdunkelt wird.
“E i n Ort, vor dem die installierten Wahrheiten kollabieren, ist das Meer; der andere, wichtigere ist die Nacht. In ihr wird der entschlossene Kopf mit all seinen blanken Parolen überrannt von einem zweiten Erfahren und Erkennen. In der Nacht stürzen die Wahrheiten des Tages zu wüsten Trümmern zusammen. Die Überzeugungen entdecken sich als Wahn. Das Licht der Idee erlischt und das Phantasma wird zur Gegenwahrheit. Davon reden läßt sich nur in Paradoxen, in bald schrillen, bald verdüsterten Bildern.”
(Peter von Matt: “Das Wilde und die Ordnung”, München 2007, S.184)
Spricht Peter von Matt hier nicht so von Heine, als ob zugleich von Roberto Bolaño, von “2666″ die Rede wäre?
Vielleicht sollte man den ersten Satz des Zitates nur ein klein wenig verändern, um ihn noch treffender zu machen. Etwa so:
Orte, vor denen “die installierten Wahrheiten kollabieren”, sind “das Meer”, “die Nacht”, Santa Teresa, die Wüste.
Wer kennt sie nicht, die Stunde vor dem Morgengrauen,
den “Stoff aus dem die Träume sind” nur halb vergessen?
Aus welchem nächtlichen Meer erwacht taumeln wir dann welcher Wahrheit der Welt entgegen?
Ist sie eine Wüste, bringt sie Tod oder Liebe?
тема не раскрыта.. может есть ещё информация по этому поводу?
отлично написано, у автора прям талант