“Die Musik bewirkte anfangs Angst; durch die Angst wurdest du bedrückt. Dann ließ ich die Erschöpfung folgen; durch die Erschöpfung wurdest du vereinsamt. Zum Schluss erzeugte ich Verwirrung; durch Verwirrung fühltest du dich als Tor. Durch die Torheit gehst du ein zum Sinn. Also kannst du den Sinn beherbergen und eins mit ihm werden.”
Dschung Dsi “Das wahre Buch vom südlichen Blütenwind”
Bolaño bedient sich oft der Whitman Geste, die es ermöglicht Poesie noch in dem ganz prosaischen Leben aufzuspüren. Worauf es ihm ankommt ist das Schöne, das dem Hässlichen abgerungen wird. Es geht ihm nicht um die Darstellung des Nur-Schönen, ebenso wenig um die Darstellung des Nur-Hässlichen. Schiller gelangte zur selben entscheidende Einsicht als er erkannte, dass das Schöne durch die Aufhebung der Polaritäten entsteht, für die er den Ausdruck Spieltrieb bildete. Damit überwand er den Abgrund zwischen Sein und Denken. Die aus dem Spieltrieb entstehende Freiheit ist eine höhere Freiheit (die viele Figuren bei Bolaño im Ansatz verkörpern), weil sie nicht nur das Ich betrifft, sondern auch die Welt: Das die Welt verwandelnde Ich. In der Entfaltung des Spieltriebs wird das Ich nicht nur selber frei: Es kann zugleich Freiheit geben. Diese Freiheit heißt dann zurecht Liebe.
Echte Kunst zeichnet sich wohl dadurch aus, dass sie Hässlichkeit von Zerstörung und Tod für unser Unterbewusstsein weniger verführerisch macht. Sie macht uns Selbstbewusst in Bezug auf diese Hässlichkeit, damit wir ihr nicht länger machtlos ausgeliefert sind. Das Mittel mit dem Kunst dies schafft ist eine gewisse kindliche Ernsthaftigkeit und Naivität.
Das Schreiben soll nach Pater oder auch Kawabata Begegnungen mit dem Schönen dokumentieren. Doch diese Schönheit soll ihrerseits intensiv ausgelebter Vitalität entströmen. Nur wenige Schriftsteller entdecken sie, kleine Kinder, junge Frauen und sterbende Männer können sich noch am ehesten auf solche Entdeckungsreisen begeben. Die Menschen bei Bolaño sprechen und erzählen gleichzeitig auf eine solche Art eben, dass ihrem Wahrnehmen oft eine gewisse Naivität und Direktheit innewohnt, die es uns als Lesern ermöglicht unmittelbar ihr Leben und dessen Erfahrungen zu teilen. Es ist geradezu so, als könne uns Bolaño von der Kraft befreien, die normaler Weise die Realität okkupiert hält und die es ist, die uns bislang in die allgemeine Täuschung verstrickt und unsere Seelen und Aktionen gefangen gehalten hat. (Man könnte diese Kraft mit einer Figur Bolaños als Anschein bezeichnen. Oder mit Faucault als Heterotopie, dessen Begriff dafür, das es immer das Sichtbare ist, welches das Sagbare möglicht macht. Oder vielleicht auch einfach als Glamour und Illusion.)
Schauen wir uns diesbezüglich den fünften und letzte Teil des Romans 2666 an. In diesem Teil geht es darum, wie aus einem Mann mit dem Namen Reiter ein anderer mit dem Namen Benno von Archimboldi wird, aus einem verträumten Jungen ein Schriftsteller. In dieser Genese eines Autors spiegelt sich der ganze Roman, den wir zuvor meinten gelesen zu haben derart, dass sich erzählte Handlungen und deren Implikationen vor uns wie durch ein Kaleidoskop betrachtet beginnen aufzufächern. In diesem Essay der Synthese wird das Unsichtbare sichtbar, indem der Leser immer weiter eingetaucht wird in die Reflexionen einer Person und die sie umgebende Welt. Das Ergebnis ist Literatur als transparente poetische Kommunikation.
Das eigene Leben, wie das von Reiter/Archimboldi, ergibt sich erst aus den Reflexionen, die es in anderen Menschen hervorzurufen vermag. (In sofern sind wir auf die ein oder andere Art wirklich alle Autoren unseres eigenen Lebens.) Und einmal auf dieser Ebene angelangt, beginnt alles an Bedeutung zu gewinnen erst im umfassenden Bezug zueinander. Ein Mensch ist tatsächlich die Summe seiner Wahrnehmungen und diese schaffen sich über den Raum hinweg jederzeit ihre ihr entsprechende Wirklichkeit.
Indem Bolaño in dem Roman 2666 beschreibt welche Einflüsse aus jemanden einen mythischen Autor machen wird er selbst zu so einem. Und diese Einflüsse bestehen eben aus einer ganzen Reihe schrittweise aufeinander folgender entgrenzender, das Gehirn aus seinen Konditionierungen befreienden Erfahrungen, oder Reflexionen solcher Erfahrungen ( Ansky/ Wilke/Ivanov/Entrescu/Ingeborg/Halder/Sammer…)
Die einzelne Person ist nichts, eine Illusion — nur das Zusammenspiel aller Begegnungen macht aus uns das, was wir sind. Wir verschmelzen zunehmend mit allem was wir begegnen, je mehr uns dies erst einmal bewusst wird.


Eine vielleicht etwas polemische Kritik, die für mehr Klarheit und Deutlichkeit leider kaum Zeit und auch nicht so viel Lust hat. Man möge mir das nachsehen. Danke.
Einen solchen Schwachsinn über Roberto Bolano habe ich bisher noch nicht gelesen. „Bolaño bedient sich oft der Whitman Geste, die es ermöglicht Poesie noch in dem ganz prosaischen Leben aufzuspüren.“ (T. Wiesmann) 1855 begann der damals 36jährige Walt Whtiman seine „Grashalme“ zu veröffentlichen. Bis zu seinem Tode 1892 hat er nicht aufgehört diese Sammlung von Gedichten über die Schönheit der Natur, über die Demokratie Amerikas und über die „Gestalt (des Menschen) in ihrer Gesamtheit“ mit immer wieder neuen Gedichten zu ergänzen. In den „Widmungen“ zu den Grashalmen“ schreibt er u. a.: „Den neuen Menschen sing ich.“ Diesen „neuen Menschen“, an den vielleicht Nietzsche gedacht hat und den die Expressionisten Anfang des 20. Jahrhunderts vielleicht noch im Blick hatten, an den hat Bolano ca. 150 Jahre später nach zwei Weltkriegen etc., als er seine Helden aus „2666“ ‚gesungen hat’ – z. B. Benno von Archimboldi – , bestimmt nicht mehr gedacht.
Was in diesem Zusammenhang die erzähltechnische Bedeutung angeht – also nicht den Inhalt – ist Bolano auch kein „mythischer Autor“ (T. Wiesmann). Bolano bedient sich nicht als technisches Mittel einer hier so genannten „Whitman Geste“ um seinen Mythos vom Menschen und seiner Wirklichkeit des 20./21. Jahrhunderts aufzuschreiben. Was sollte dies auch für eine Geste sein? 1943 schrieb Gottfried Benn das Gedicht „Verlorenes Ich“: „Die Welt zerdacht. Und Raum und Zeiten / und was die Menschheit wob und wog, / Funktion nur von Unendlichkeiten - / die Mythe log.“ Hinter diese Erkenntnis, die Benn hier in der letzten Zeile dieser Strophe formuliert, ist Bolano bestimmt nicht zurückgefallen. Da muss man sich schon etwas anderes einfallen lassen, wie man Bolanos Schreibweise und den damit aufgedeckten Inhalt eigentlich bestimmen könnte. (Übrigens ist die Verweiblichung des Mythos – im Sinne einer erzählerischen Form - bis Ende des 19. Jahrhunderts durchaus gebräuchlich.
Und nocht etwas: Mittels „kindlicher Ernsthaftigkeit und Naivität“ (T. Wiesmann) mache „(e)chte Kunst“ „Hässlichkeit von Zerstörung und Tod“ für uns begreifbar. Wir seien ihr „damit (…) nicht länger machtlos ausgeliefert“, unser ‚Unterbewusstsein ließe sich so nicht länger mehr von dieser Hässlichkeit verführen’. Das ist, mit Verlaub, angesichts der Frauenmorde von Santa Teresa („2666“), also dem „Teil von den Verbrechen“, und vor allem wie sie hier von Bolano beschrieben werden, Schwachsinn.
Und dann ist es noch der Stil, in dem der von mir hier kritisierte Beitrag geschrieben ist, der mir nicht gefällt. Da wird so viel behauptet und bleibt dunkel, vielleicht mystisch statt mythisch, und mir jedenfalls kaum verständlich.
“Die Menschen bei Bolaño sprechen und erzählen gleichzeitig auf eine solche Art eben, dass ihrem Wahrnehmen oft eine gewisse Naivität und Direktheit innewohnt,”
D i e Menschen bei B.?
Alle?
Wenn nicht alle, welche denn dann vor allem?
Ich bitte um Beispiele für “naives” Sprechen.
Jeder von uns liest mit “2666″ sich selbst, das wurde schon an anderer Stelle hervorgehoben, es gilt sogar für das Lesen schlechthin. Thorsten Wiesmann beschreibt seine Leseerfahrung aus dem Blickwinkel einer mythischen, inneren Wahrnehmung der Welt als einen Augenblick der Unbegreifbarkeit. Die augenblickliche Erfahrung eines realen Bildes, das unsere Netzhaut und unser gesamtes Ich trifft, ist für ihn nur noch meditativ auflösbar, die Vielfalt des Jetzt macht eine rationale oder auch nur gefühlsmäßige Nachempfindung aller darin verwobenen Schicksale der Menschen und der Dinge unmöglich. Der spirituelle Ansatz ist ein Weg nach Innen, will letzlich aber auch das Ich befreien. Bolano schafft das erzählerisch, (manchmal auch mit politischer Aussage) mit uns allen, Walt Whitman feierte das Ich auf seine Art, er erkannte sich sogar in einem Grashalm und sang den Körper elektrisch. Unsere Naivität leben wir jeden Tag, wir müssen sie leben, sonst würden wir psychisch krank. Das Erzählen strukturiert die Gewalt, die Träume, den erzählenden Schneemann selbst und lässt uns Anteil nehmen an anderen, nur indem wir lesen. Oft streiten wir dann und wollen einander nicht verstehen.
“Failing to fetch me at first, keep encouraged, missing me one place, search another, I stop somewhere, waiting for you.
(Walt Whitman: Leaves of grass)
Verstehe ich das richtig? (Übrigens: Der Schluss, wenn ich etwas für Unsinn halte, sollte nicht der sein, dass ich es nicht verstehen will.) Bolano zeigt uns mit „2666“ diesen hier gemeinten, „spirituellen Ansatz“ und lehrt uns als seine Leser, ihn auch zu leben? Er gibt uns eine Naivität der Wirklichkeitswahrnehmung zurück, mit der wir z. B. die Frauenmorde von Santa Teresa „meditativ auflösen“ können, weil wir an ihnen, an ihrer Wirklichkeit ansonsten „psychisch krank“ werden würden? Eine „rationale oder auch nur gefühlsmäßige Nachempfindung“ der Schicksale dieser Frauen ist „unmöglich“? Das Erzählen von Bolano gibt dieser Gewalt eine Ordnung, die uns erst und überhaupt Anteil nehmen lässt?
Leben lernen kann man aus Büchern nicht. Aber jede Begegnung mit einem anderen Menschen (manche können wir nur noch in ihren Büchern treffen) sollten wir als Geschenk sehen. Wenn ich meinem Mörder begegnen sollte, wird mir dies allerdings schwerfallen.
Die “Naivität der Wirklichkeitswahrnehmung” bezog sich auf die Figuren im Roman, ihre Wahrnehmung wird geschildert. Was wir erzählend wahrnehmen sollen (trotz oder gerade wegen der reporterhaften Berichterstattung)ist Anteilnahme und Empathie. Bolano drückt diese also indirekt erzählerisch aus. Die Ordnung findet sich z.B. in der Strukturierung der Abschnitte im 4. Teil: zuerst nach Monaten im Jahr 1993, dann nur noch als Aufzählung “Die nächste Tote…” (S. 489, S. 494, S. 500).
Mit Ordnung hat Mord und Vergewaltigung natürlich nichts zu tun. Ihren Einwand aber finde ich gut, Innerlichkeit allein trägt auf Dauer nicht, auch ich bemühe mich nur um Verständnis, wie ich glaube alle hier.
Gestern stieß ich auf eine Äußerung, die die Schriftstellerin Erica Pedretti 1975 als Antwort auf eine Anfrage von sich gab:
“Den stärksten Eindruck hinterließen mir die Bücher, die ich mit 15 bis 20 Jahren gelesen habe, zuerst die Russen, vor allem Dostojewski, später Dickens, dann Flauberts Education sentimentale und die Erzählungen von Kafka. Jetzt sind mir die Bücher am liebsten, die zu eigenen Assoziationen anregen, in denen ich immer wieder lese, u. a. Joyce, Beckett, Günter Eich, Bernhard, Canetti, auch Claude Simon und Robbe-Grillet und, und, und ich warte auf einen neuen Handke und freue mich auf Ilse Aichingers neues Buch.” (Gegenwartsliteratur, Bern 1975, S.174)
Begierig greife ich hier die Wendung auf:
“Jetzt sind mir die Bücher am liebsten, die zu eigenen Assoziationen anregen”
und setze sogleich hinzu, dass bei mir zu diesen Büchern unlängst und auf Dauer RB’s großer Roman “2666″ hinzugekommen ist. In einem Abstand von ein, zwei Jahren werde ich ihn ein nächstes Mal lesen.
Jeder von uns hat seinen eigenen Horizont und seine eigenen Bezugsgrößen und Bezugsfelder. Wenn wit etwas für uns Neues verstehen wollen, geht dieser Horizont bei unseren Verstehensversuchen jeweils unvermeidbar mit. Dessen sind wir uns auch meistens bewusst.
Wenn wir uns um ein etwas (!) verbindlicheres, zumindest tendenziell individualitätsüberschreitendes Verstehen bemühen, werden wir stärker darauf achten, wo unsere Plausibilität eine bloß subjektive, eine untriftige, eine nicht mehr allgemein vermittelbare zu werden droht.
Mit Erschrecken stelle ich fest, dass Wochen nach beendigter “2666″-Lektüre die Lebendigkeit meiner Erinnerung an Einzelheiten meines konzentrierten Romanlesens leider zunehmend verblasst, sich zunehmend abschwächt.
Was also fällt mir jetzt noch spontan ein?
a) Ich hatte nicht oder doch nur kaum nennenswert den Eindruck, einen fragmentarischen Roman zu lesen.
b) Im Gegenteil, ich fand gerade die Anfänge und die Schlüsse der jeweiligen Romanteile ausgesprochen gekonnt und mit Blick auf das Ganze aussagekräftig. Besonders im 1. und 5. Teil (aber nicht nur da) fiel mir dabei die Technik des doppelten Schlusses auf.
c) Zudem: Mehr, viel mehr als ein bloß spannungserzeugender Kunstgriff war die durch die gewählte Abfolge der 5 Teile erreichte Zeitverschränkung; im Sinne eines “Es gibt noch Hoffnung” oder auch “Es gibt noch unendlich viel Hoffnung, nur nicht für uns”.
(Bildlich gesprochen: Züge scheinen noch zu fahren, obwohl der Zug schon längst abgefahren ist. ODER: Letzteres vielleicht doch nicht?).
d) Wiederholt fielen mir Sätze und ganze Abschnitte auf, in denen Folgendes zu beobachten war: Eine Aussage (als Satz, als Satzteil oder als Attribut) wurde im Modus großer, ja größter Gewissheit gemacht und doch sofort danach durch eine weitere und noch eine weitere … sogleich nachgeschobene Aussage wieder relativiert - oder in Frage gestellt oder zurückgenommen oder sogar durch etwas diametral Gegensätzliches ersetzt. Oft wurde dadurch die ausdrückliche Gewährung von relativer Deutungsoffenheit suggeriert, manchmal wohl eher existentielle Unsicherheit, mitunter aber auch reine erzählerische Spiellaune.
d) Dieser Verflüssigung von zu großer Verfestigung in der Aussagenbestimmtheit im Kleinen scheint mir auch Ähnliches im Großen zu entsprechen. Zum Beispiel: Der Roman endet kurz vor Hans Reiters Abflug zu seinem Neffen nach Mexiko. Diese Zeitstelle hatte der erste Teil bereits überschritten. Auch von einem alten, körperlich großen, aber hilflos wirkenden Mann, der wahrscheinlich der von den 4 Kritikern als Person gesuchte Benno von Archimboldi ist, wird berichtet bzw. ein dementsprechender Bericht wiedergegeben. Zu einer Begegnung mit dem Gesuchten kommt es aber bis zuletzt nicht, als wäre er Godot, und es bleibt offen, ob er wirklich der Gesuchte gewesen ist. Dennoch suggeriert der 5. Teil, dass er dagewesen ist. Und dann wieder der erste Teil, dass er vielleicht am Ende doch noch da ist, ob nun als Lebender oder als Toter. Vgl. Seite 201 (”Der Betonklotz, in dem sich die Sauna befand, kam ihm - Espinoza, GFL - vor wie ein Bunker mit einem Toten (!, GFL) im Innern.” …). Hier wird zumindest bildlich der mögliche Tod Archimboldis in Mexiko, seine Anwesenheit als Toter suggeriert. Aber am Ende des 5. Teils tritt Archimboldi alias Hans Reiter höchstlebendig vor seiner Flugreise nach Santa Teresa in Erscheinung und das ist der letzte Eindruck von ihm, den der Roman uns gibt; auch wenn wir wissen oder uns zumindest bewusst machen können, dass dieser Romanschluss chronologisch eigentlich noch v o r dem Schluss von Romanteil I und II und III liegt.
Wieso nur musste ich in der Fürst-Pückler-Episode des 5. Teils, also dem Schluss gleichsam vor dem Schluss, an den Schluss von Voltaires “Candide” denken, an seine Aufforderung in den Garten zu gehen? Dennoch in den Garten zu gehen.
[...] als Kommentar zu “Das die Welt verwandelnde Ich” [...]
Ich habe erst die Hälfte des Romans gelesen (Schande sei mit mir), und freue mich hoffnungslos auf den Rest, bis zur bitteren Neige? In den Garten wollen sie gehen, weil er nach Foucault eine den Kompensationsräumen zuzuordnende Heterotopie ist. Ohne Foucault auch nur einigermaßen zu kennen, ist der Artikel Heterotopie in Wikipedia subjektiv lesenswert.
@Heterotopie
“So sind sie in der Lage, mehrere Räume an einem einzigen Ort zu vereinen und zueinander in Beziehung zu setzen, die eigentlich nicht vereinbar sind. Dies ist beispielsweise beim traditionellen Garten der Perser der Fall, der als eigener Mikrokosmos die ganze Welt symbolhaft abbildet und verbindet, oder beim Kino, das Publikumssaal und Fenster zu anderen Welten zugleich ist.”
(Zitat: Wikipedia)
Nicht Foucault, dessen Buch “Wahnsinn und Gesellschaft” ich kenne, hat mich in den Garten gerufen, sondern wirklich Voltaire, vielleicht auch Stifter und Eichendorff und George, aber vor allem der Roman “2666″ selber, in dem ja z. B. Venedigs Gärten vorkommen und jener Park der Begegnung Hans Reiters mit dem Nachfahren des Auch-”Mannes der Aufklärung” (S.1084) Fürst Pückler(-Muskau), als der letzte und zugleich letzte europäische Schauplatz des Romans.
“Kurz darauf verließ er (Archimboldi, GFL) den Park und flog am nächsten Morgen nach Mexiko.”, sagt uns der letzte Satz des Romans.