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Günter Landsberger, Teil von den Verbrechen

eine andauernde Spurensuche

29.10.09 | Link | 2 Kommentare

“Der Teil von den Verbrechen” umfasst im engeren Sinne einen Zeitraum von Anfang 1993 bis Ende 1997, also einen Zeitraum von ziemlich genau fünf Jahren. Die vorausgegangenen Romanteile hatten zuvor schon diesen Zeitraum um einiges überschritten. Zeitlich am weitesten - auch auf das Romanganze gesehen - war sogar schon der erste Teil, “Der Teil der Kritiker”, vorgestoßen, bis hinein nämlich ins Jahr 2001. Er umfasst im engeren Sinn (also in fortschreitend erzählender Chronologie abzüglich der Rückblicke) einen Zeitraum von ziemlich genau zwanzig Jahren, von Weihnachten 1980 bis 2000/2001. Wir haben aus ihm (I) und den beiden folgenden Teilen (II u. III) somit zumindest indirekt erfahren, dass die schreckliche und zugleich symptomatische Mordfolge, mit der wir im vierten Teil laufend und sehr oft schonungslos konfrontiert werden, auch noch nach 1997 weitergegangen ist und - tatsächlich oder nur vorläufig? - kein Ende findet.

Dementsprechend wird in Teil IV nicht nur der Blick auf die Fall um Fall individuell akzentuierte Folge der Mordopfer gerichtet, sondern auch auf sämtliche eindeutigen und uneindeutigen Aufklärungs- bzw. Verdunklungsversuche; in einer Weise, die uns Leser… unaufdringlich selber auf eine andauernde Spurensuche setzt. Werden diese Morde jemals eindeutig aufgeklärt werden? Mehrere Tat- und Tatverkettungshintergründe werden jeweils (teils einander ergänzend, teils miteinander konkurrierend) suggeriert.

Zuordnungen werden angeboten, aber nicht vollends sicher vollzogen. Unsere eigene Einschätzung ist gefragt. Die Hoffnung auf Aufklärung und Zur-Rechenschaftsziehung, und sei’s nur partiell, flackert in Einzelnen oder Kleingruppen (Fahndern, Journalisten, Juristen, Abgeordneten) zwar immer wieder auf, aber doch beständig auch in der Bedrohung durch ein möglicherweise unvermeidbares Scheitern aller Anstrengungen. In diesem fast isolierten Teil menschlicher Anstrengungen gibt es zwar immer wieder schmerzlich (oder auch sang- und klanglos) Im-Sande-Verlaufendes, nie aber vollends den Punkt, an dem alle Hoffnung fahren gelassen wird (wie in Dantes “Hölle”). Fast wie in religiösen Zusammenhängen wird hier immer wieder “wider Hoffen”, also auch entgegen alle realistische Hoffnung “gehofft”.

Worauf aber gründet denn hier diese fast schon verzweifelte Hoffnung? Woraus lebt der Mensch? Wo sind verlässliche “Quellen des Lebensmutes” zu finden?

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