“Der Teil von den Verbrechen” umfasst im engeren Sinne einen Zeitraum von Anfang 1993 bis Ende 1997, also einen Zeitraum von ziemlich genau fünf Jahren. Die vorausgegangenen Romanteile hatten zuvor schon diesen Zeitraum um einiges überschritten. Zeitlich am weitesten - auch auf das Romanganze gesehen - war sogar schon der erste Teil, “Der Teil der Kritiker”, vorgestoßen, bis hinein nämlich ins Jahr 2001. Er umfasst im engeren Sinn (also in fortschreitend erzählender Chronologie abzüglich der Rückblicke) einen Zeitraum von ziemlich genau zwanzig Jahren, von Weihnachten 1980 bis 2000/2001. Wir haben aus ihm (I) und den beiden folgenden Teilen (II u. III) somit zumindest indirekt erfahren, dass die schreckliche und zugleich symptomatische Mordfolge, mit der wir im vierten Teil laufend und sehr oft schonungslos konfrontiert werden, auch noch nach 1997 weitergegangen ist und - tatsächlich oder nur vorläufig? - kein Ende findet.
Dementsprechend wird in Teil IV nicht nur der Blick auf die Fall um Fall individuell akzentuierte Folge der Mordopfer gerichtet, sondern auch auf sämtliche eindeutigen und uneindeutigen Aufklärungs- bzw. Verdunklungsversuche; in einer Weise, die uns Leser… unaufdringlich selber auf eine andauernde Spurensuche setzt. Werden diese Morde jemals eindeutig aufgeklärt werden? Mehrere Tat- und Tatverkettungshintergründe werden jeweils (teils einander ergänzend, teils miteinander konkurrierend) suggeriert.
Zuordnungen werden angeboten, aber nicht vollends sicher vollzogen. Unsere eigene Einschätzung ist gefragt. Die Hoffnung auf Aufklärung und Zur-Rechenschaftsziehung, und sei’s nur partiell, flackert in Einzelnen oder Kleingruppen (Fahndern, Journalisten, Juristen, Abgeordneten) zwar immer wieder auf, aber doch beständig auch in der Bedrohung durch ein möglicherweise unvermeidbares Scheitern aller Anstrengungen. In diesem fast isolierten Teil menschlicher Anstrengungen gibt es zwar immer wieder schmerzlich (oder auch sang- und klanglos) Im-Sande-Verlaufendes, nie aber vollends den Punkt, an dem alle Hoffnung fahren gelassen wird (wie in Dantes “Hölle”). Fast wie in religiösen Zusammenhängen wird hier immer wieder “wider Hoffen”, also auch entgegen alle realistische Hoffnung “gehofft”.
Worauf aber gründet denn hier diese fast schon verzweifelte Hoffnung? Woraus lebt der Mensch? Wo sind verlässliche “Quellen des Lebensmutes” zu finden?


Ein Kommentar der “Wirklichkeit”?:
Eine Meldung von heute und gestern - und morgen?
“Gewaltwelle in Mexiko
Mexiko-Stadt (dpa) - Eine Welle der Gewalt ist in den vergangenen Tagen erneut durch den Norden von Mexiko gerollt. In der Grenzstadt Ciudad Juárez wurden allein in der Nacht zum Samstag 17 Menschen getötet, darunter drei Frauen.
In der Stadt Saltillo im Bundesstaat Coahuila wurde erneut ein Journalist ermordet. Auch in den Staaten Durango und Sinaloa verzeichnete die Polizei Gewalttaten mit mindestens neun weiteren Toten.
Die Leiche des 27 Jahre alten Reporters Valentín Valdés Espinosa wurde in der Nacht zum Freitag gefunden. Valdés, Lokal- und Polizeireporter der Zeitung «Zócalo de Saltillo», war den Angaben zufolge zuvor von Unbekannten gemeinsam mit zwei weiteren Journalisten des Blattes entführt, gefoltert und erschossen worden.
Die beiden Kollegen von Valdés seien misshandelt, aber freigelassen worden, berichteten mexikanische Medien am Samstag. Am Körper von Valdés wurde eine Botschaft mit einer Warnung gefunden. Sie lautete: «Das wird auch mit denen geschehen, die nicht verstehen, dass die Botschaft für alle gilt.»
Wie der Online-Dienst der Zeitung «El Universal» in der Nacht zum Sonntag weiter berichtete, befanden sich unter den Getöteten in Ciudad Juárez auch zwei enthauptete Männer. Die Morde stünden im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität. Diese betreibt Drogen-, Menschen und Waffenhandel in der Stadt an der Grenze zum US-Bundesstaat Texas. In den neun Tagen seit Beginn des Jahres wurden in der Stadt 79 Morde begangen.
Unterdessen wurden im Staat Durango am Wochenende fünf Tote in einem sogenannte «Narcograb» entdeckt. Die Männer seien offensichtlich bereits vor längerer Zeit entführt, gefoltert und getötet worden, hieß es in einem Polizeibericht. Im Staate Sinaloa wurden am Samstag vier Personen getötet und ein Polizeichef mit vier Polizisten von einem Killerkommando entführt.
Im vergangenen Jahr wurden laut Zeitungsberichten im Krieg der Drogenkartelle untereinander und gegen den Staat in Mexiko mehr als 7700 Menschen getötet, darunter zwölf Journalisten. Neun weitere werden vermisst. Damit gilt Mexiko als eines der für Journalisten gefährlichsten Länder weltweit.
© sueddeutsche.de - erschienen am 10.01.2010 um 14:14 Uhr”
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