Dieser Beitrag soll als offizielle Zitate-Sammlung zu Bolaños 2666 dienen. Wer ein schönes/interessantes/verstörendes/ etc. Zitat findet, kann es einfach als Kommentar zu diesem Beitrag veröffentlichen. Ich werde in der Seitenleiste auf die Sammlung hinweisen, so dass sie immer schnell zur Hand ist. Vielen Dank an Stefanie aus Hamburg, die die Idee zu dieser Sammlung hatte. Gesammelte Zitate:


“Nachdem sie von ihm abgelassen hatten, versanken sie für Sekunden in die seltsamste Ruhe ihres Lebens.” S.99
“Sie sagen piep piep, wau wau, miau miau, weil sie nicht imstande sind, sich ein Tier von ungeheuren Ausmaßen oder die Abwesenheit dieses Tiers vorzustellen.” Seite 157
“Für den, der keinen andren Weg sieht, als aufzustehen und dem bereits angesammelten Schmerz weiteren Schmerz hinzuzufügen. Schmerz sammelt sich an, sagte mein Freund, das ist eine Tatsache, und je größer der Schmerz, desto kleiner der Zufall.” Seite 118
“Sie beendeten die Nacht betrunken, und der junge Kellner mußte ihnen beim Verlassen der Bar behilflich sein.” S.86
[...] R.Bolaño - 2666: Gesammelte Zitate - zwei666.de http://www.cloud-gate.de/poeta/?p=177 – view page – cached Dieser Beitrag soll als offizielle Zitate-Sammlung zu Bolaños 2666 dienen. Wer ein schönes/interessantes/verstörendes/ etc. Zitat findet, kann es einfach als Kommentar zu diesem Beitrag… (Read more)Dieser Beitrag soll als offizielle Zitate-Sammlung zu Bolaños 2666 dienen. Wer ein schönes/interessantes/verstörendes/ etc. Zitat findet, kann es einfach als Kommentar zu diesem Beitrag veröffentlichen. Ich werde in der Seitenleiste auf die Sammlung hinweisen, so dass sie immer schnell zur Hand ist. Vielen Dank an Stefanie aus Hamburg, die die Idee zu dieser Sammlung hatte. Gesammelte Zitate: (Read less) — From the page [...]
“Im Süden entdeckten sie Eisenbahnlinien und von Barracken umgebene Fußballplätze für Arme, sie sahen sogar, ohne auszusteigen, ein Spiel zwischen einer Mannschaft von Todkranken und einer von Verhungernden im Endstadium (…).” Seite 166
“und plötzlich stellte er bestürzt fest, dass er die Bücher von Archimboldi, die er in seinem Koffer verbarg, ganz vergessen hatte.” (S. 190)
“Auf Anweisung von Johns setzte sich die Krankenschwester auf einen Baumstumpf und tat, als lese sie ein Buch.” (S. 191)
“heute lese ich nur noch Lyrik. Nur die Lyrik ist nicht verseucht, nur die Lyrik ist frei von Kommerz.” (S.282)
“Als er erwachte, meinte er von einem Film geträumt zu haben, den er kürzlich gesehen hatte. Aber alles war anders. Die Darsteller waren Schwarze, und der geträumte Film wirkte wie ein Negativ des wirklichen Films.” (S. 290)
Zum Stichwort “NEGATIV” vgl. auch schon S.56:
“Morini glaubte, der Schwabe sei auf eine erschreckende Weise Archimboldis Doppelgänger, sein Zwillingsbruder, das Bild, das Zeit und Zufall in das Negativ eines entwickelten Fotos verwandeln werden,” …
Zum Motiv des DOPPEL- oder WIEDERGÄNGERS vgl. auch S. 282:
“fand” … “den Geschmack des belesenen jungen Apothekers aufschlussreich, der in einem anderen Leben vielleicht Trakl gewesen war”
“Alles in diesem Land” (”Mexiko” - in meiner Interpretation darüberhinausgreifend aber auch der ganze Roman “2666″) …
“Alles in diesem Land ist eine Anspielung auf alle Dinge dieser Welt, einschließlich der Dinge, die es noch nicht gibt” (S. 417)
Eine unübersehbare Anspielung auf EDGAR ALLAN POE
und sein Gedicht “The Raven”. “Die Morde in der Rue Morgue” gelten als erste Detektivgeschichte. Der Rabe ist ein Symbol des Unheils, der düsteren Prophezeiung. Die stark analytische Erzählweise Bolanos verstärkt mit ihren symbolischen Andeutungen die Neugier der Leser, wer war Archimboldi, wer sind die Mörder der hunderte von Frauen:
“In diesem Moment hörten alle den Gesang oder Ruf eines Raben.” (S. 118)
In Wilhelm Raabes Roman “Das Odfeld” spielt immer wieder die Rabenschlacht als Vorbote jener anderen unter den Menschen alsbald auf sie folgenden eine bedeutsame Rolle:
“Und zwischen den jammervollen Zeichen des großen Krieges aller gegen alle in Europa und Amerika stieß sie einen leisen verdrießlichen Schrei aus:
»Jeses und Gott und auch noch die Vögel von gestern abend und heute morgen! Uh, Sein garstiges Vieh, Magister Buchius!«
Und es war seltsam; auch der gelehrte Mann, der Magister, fuhr zusammen und entsetzte sich ob dem Faktum, daß sie wieder auch unter den Leichnamen der geflügelten Streiter vom gestrigen Abend und nicht mehr bloß unter den heute gefallenen Kämpfern von Deutschland, England und Frankreich standen.” (aus dem 23. Kapitel) -
Zudem: Auch eine der Erzählungen Joseph Breitbachs hat den Titel “Die Rabenschlacht”.
“und es überkam ihn eine tiefe und untröstliche Traurigkeit, als sähe er seine erste Liebe sich durch ein Labyrinth kämpfen.”
(”2666″, S.66)
“Selbstverständlich hatte Amalfitano eine gute Meinung von Archimboldi, wenngleich er ihn bei weitem nicht so verehrte wie die drei Kritiker. Amalfitano hielt ihn zum Beispiel für gleich gut wie Günter Grass oder Arno Schmidt.” (S.151)
“Ich dachte”, sagte Amalfitano, “der beste deutsche Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts sei Kafka.” (S.153)
“Haben Sie Peter Handke gelesen?” fragte Amalfitano. “Und Thomas Bernhard?” (S.153)
S.155 - S.159: Amalfitanos anderes Höhlengleichnis (im Vergleich zu jenem Platons) mit der eingebauten Variante vom verlorenen Schatten als Peter Schlemihl-Variante (S.156f.)
S.165 - S. 166 Grandiose Beschreibung der ersten großräumigen Santa Teresa - Erkundung alias Stadtbesichtigung per Auto
“… ein flüssiger Stern aus kochendem Wasser.” Seite 219
Er lachte nicht nur mit den Lippen, den Augen und der Kehle, sondern auch mit den Händen, dem Hals und den Füßen, die am Boden kleine Stepptänze vollführten. “Seite 804″
“Das Erste, was er morgens tat: Er las in Anskys Heft, das er an irgendeiner Stelle aufschlug.” (S.894)
Unbeweisbare, dunkle Geburt der Romanfigur “Hans Reiter” aus Versen Georg Trakls in “Kaspar Hauser Lied”:
“Die dunkle Klage seines Munds:
Ich will ein Reiter werden.”
Als sie zu Hause ankamen, war es bereits dunkel, aber der Schatten von Diestes Buch an der Leine war eindeutiger, gefestigter und vernünftiger als alles, was er in der Umgebung von Santa Teresa und in der Stadt selbst gesehen hatte, dachte Amalfitano, Bilder ohne Halt, Bilder, in denen die ganze Verwaistheit der Welt enthalten war, Fragmente, Fragmente.
Seite 258
“man kann eine Sprache schlecht oder gar nicht sprechen und trotzdem imstande sein, sie zu lesen.” (S.176)
“Jedes zweitklassige Werk hat einen geheimen Autor, und jeder geheime Autor ist per definitionem ein Autor von Meisterwerken.” (S.953)
“Jetzt weinen wir und grämen uns und sagen, wir haben nichts gewusst! Wir waren ahnungslos! Die Nazis sind es gewesen! Wir hätten uns nicht so verhalten! Jammern, das können wir.” (S.952)
“danach sagte er, der Mensch lebe nicht von gesundem Essen allein. Bücher müsse er lesen, sagte er. Nicht so viel fernsehen.”
(S.316)
“Wer liest, verschwendet nicht seine Zeit.” (S.316)
“Der Januar 1996 war für die Polizei von Santa Teresa dennoch kein schlechter Monat. Drei Kerle starben bei einer Schießerei in einer Bar unweit der alten Bahntrasse, vermutlich eine Abrechnung unter Drogenhändlern. Auf einem von Schleppern benutzten Schleichweg fand man einen Mittelamerikaner mit durchschnittener Kehle. Und ein kleiner Dicker mit einem skurrilen Schlips, der über und über mit Regenbögen und nackten, tierköpfigen Frauen bedruckt war, schoss sich beim Russisch-Roulette in einem Nachtclub in Madero-Norte eine Kugel in den Rachen. Aber weder auf den Brachflächen der Stadt noch in den Außenbezirken oder in der Wüste tauchten weitere tote Frauen auf.” (S. 608f.)
“[...] aber niemand fand eine vergewaltigte, gefolterte und anschließend ermordete Frau. Das war im Januar. Und wiederholte sich im Februar. Die gewöhnlichen Morde ja, Leute, die erst zusammen feierten und sich dann umbrachten, Morde, die nicht fimreif waren, Morde, die zur Folklore gehörten, nicht zur modernen Welt: Morde, die niemanden erschreckten.” (S. 656)
“[...] in den folgenden Stunden erfuhren die vier, was es heißen konnte, im Fegefeuer zu sitzen und, ein langes, hilfloses Warten, ein Warten, dessen Rückgrat die Ohnamcht war, übrigens etwas sehr Lateinamerikanisches, etwas, das man genau genommen jeden Tag erlebte, wenn auch ohne diese Angst, ohne dass der Schatten des Todes wie ein Schwarm Geier über dem Viertel kreiste und alles lähmte, alle gewohnten Abläufe über den haufen warf und alles auf den Kopf stellte. Während sie also auf den Vater der Mädchen warteten, dachte die Nachbarin (um die Zeit und die Angst totzuschlagen), dass sei gerne einen Revolver haben und auf die Straße laufen würde. Und was dann? Dann würde sie ein paar Schüsse in die Luft abgeben, um sich abzureagieren udn Viva Mexiko zu schreien, um sich Mut zu machen oder um eine letzte Wärme zu spüren dun dann in rücksichtsloser Geschwindigkeit mit den den Händen ein Loch in die festgestampfte Lehmstraße zu graben und sich, durchweicht bis auf die Knochen, darin für immer und ewig zu begraben.” (S. 641f.)
“Es wurde laut gelacht. Eine große Decke des Gelächters erhob sich in dem länglichen Lokal, als würden die Polizisten den Tod aufschütteln. Nicht alle, natürlich. Einige an entfernteren Tischen ließen sich ihre Eier mit Chilli oder Eier mit Fleisch oder Eier mit Bohnen schmecken, stumm oder in der Unterhaltung mit Kollegen, abgesondert von den anderen. Sie frühstückten, sagen wir, die Ellbogen auf Angst und Zweifel gestützt. Also auf das Wesentliche, das zu nichts führt. Traumstarr: Das heißt, mit dem Rücken zum Gelächter, das einen anderen Traum verfocht. Andere dagegen, die Ellbogen auf die äußeren Enden des Tresens gestützt, tranken stumm und sahen dem Treiben zu oder brummten, so ein Affentheater, oder brummten nichts, behielten nur die Schupos und die von der Kripo im Auge.” (S. 672)
“Manchmal glaubte er, dass er nicht mehr las, weil er Atheist war. Nicht zu lesen war sozusagen die höchste Stufe des Atheismus oder zumindest des Atheismus, wie er ihn verstand. Wenn du schon nicht an Gott glaubst, wie dann an ein verdammtes Buch? dachte er.” (S. 668)
“In einem Fall vertrat er das Gerichtsmedizinische Institut und die Universität von Santa Teresa bei einem Sympoium in Medellín, Kolumbien, und wirkte bei seiner Rückkehr wie ausgewechselt. Wir machen uns keine Vorstellung, was da vor sich geht, sagte er zu seiner Frau und sprach nie wieder von der Sache.” (S. 668f.)
“Der Name, sagte der Journalist. Antonio Uribe*, sagte Haas. Einen Moment lang sahen die Journalisten sich fragend an, ob der Name irgendeinem etwas sagte, aber alle zuckten die Schultern. Antonio Uribe ist der Name des Frauenmörders von Santa Teresa. Nach kurzem Schweigen fügte er hinzu: Und Umgebung. Und Umgebung? fragte einer der Journalisten. Der Mörder von Santa Teresa, sagte Haas, und der in der Umgebung der Stadt gefundenen toten Frauen. Und du kennst diesen Uribe? fragte einer der Journalisten. Ich habe ihn einmal gesehen, ein einziges Mal, sagte Haas. Dann holte er tief Luft, als würde er zu einer langen Geschichte ausholen, und Chuy Pimentel nutzte die Gelegenheit zu einem Foto. Darauf wirkte Haas durch Licht und Körperhaltung noch dünner, sein Hals noch länger, wie der Hals eines Truthahns, aber nicht wie irgendein Truthahn, sondern wie ein singender Truthahn oder einer, der sich eben anschickt, seine Stimme zu erheben, nicht einfach zu singen, sondern seine Stimme zu erheben, zu einem schrillen, knirschenden Gesang, einem Gesang wie gemahlenes Glas, aber mit einem starken Anklang an Kristall, also an Reinheit, an Hingabe, an das völlige Fehlen von Falschheit.” (S. 703)
* Der Name des amtierenden und umstrittenen kolumbianischen Präsidenten lautet Álvaro Uribe. Beispielhaft für die Zustände in Kolumbien ist u.a. die sog. ‘Operation Orion’ in Medellíns Armenviertel Communa 13 am Ende des Jahres 2002.
Hallo, ich schlage vor, dass die Zitate erst eingestellt werden, wenn die Seiten im Fahrplan sind. Ich finde es viel spannender zu lesen, was Mitleser in den letzten 70 Seiten bemerkenswert fanden, als Zitate zu lesen, deren Zusammenhang ich gar nicht kenne.
“Sie erreichten Santa Teresa von Süden her, und die Stadt kam ihnen vor wie ein riesiges Zigeuner- oder Flüchtlingslager, deren Bewohner sich beim leisesten Signal in Bewegung setzten.” (S.144)
“In Nortons Zimmer gab es statt einem zwei Spiegel. Der eine hing wie in den anderen Zimmern neben der Tür, der andere an der gegenüberliegenden Wand neben dem Fenster zur Straße, so dass beide Spiegel, wenn man an einer bestimmten Stelle stand, einander reflektierten.” (S.144)
“In Pelletiers Zimmer fehlte eine (sic!) Stück von der Kloschüssel.” … “Das fehlende Stück hatte die Form eines Hörnchens. Es sah aus, als hätte man es mit einem Hammer herausgeschlagen. Oder als hätte jemand einen anderen Menschen, der bereits am Boden lag, hochgehoben und mit dem Kopf gegen die Kloschüssel geknallt, dachte Norton.” (S.144)
“körperlose Namen, namenlose Gesichter” (S.111)
“Sie (= Vanessa, GFL) vertraute mehr ihren eigenen Augen als den Massenmedien.” (S.110)
“Und die Statue stieg aus dem Meer, erhob sich über den Strand und war fürchterlich und zugleich wunderschön.” (S.105)
“Dies veranlasste Espinoza zu der Bemerkung, der Taxifahrer, verdammt, habe gerade, natürlich unabsichtlich, Borges zitiert, der an irgendeiner Stelle London mit einem Labyrinth vergleiche. Worauf Norton erwiderte, lange vor Borges seien Dickens und Stevenson London mit dieser Trope zu Leibe gerückt.” (S.98)
“Bifurcaria bifurcata gefiel Herrn Bubis nicht, ja er las den Roman nicht einmal zu Ende, obwohl er ihn natürlich veröffentlichen wollte, weil er dachte, dem Idioten Lothar Junge würde er vielleicht gefallen.”
(S.1003 / nur ausnahmsweise wieder mal ein Vorgriff / Pardon, Frau Berardi)
“Piero Morini kam 1956 in einem Dorf unweit von Neapel zur Welt und obwohl er Benno von Archimboldi erstmals 1976 las, also vier Jahre vor Pelletier, dauerte es bis 1988, dass er einen ersten Roman des deutschen Autors übesetzte - Bifucaria bifurcata -, der in den italienischen Buchhandlungen ziemlich sang- und klanglos unterging.”
Seite 15 / Ich weiß Ihr Pardon sehr zu schätzen, Herr Landsberger. Frue mich in diesem falle aber, dass das Buch über eine Seepflanze noch einmal Erwähnung findet.
“es gibt keine a b g r ü n d i g e Erfahrung mehr, nicht mehr diesen S c h w i n d e l, bevor ein Film anfängt” (S.387)
Ich lese “S c h w i n d e l” hier übrigens als
“S c h w i n d e l der Freiheit” im Sinne von “Angst als dem Schwindel der Freiheit”, wie man es in Kierkegaards philosophischer Schrift “Der Begriff Angst” definiert findet.
“Diese Lichtspielhäuser waren klasse, sie waren die wahren Kinos, fast Kirchen, mit hohen Decken, schweren, weinroten Vorhängen, Säulen, alten abgewetzten Teppichen, Parkett, Logen, Empore oder Olymp, Gebäude, die zu einer Zeit erbaut wurden, als der Film noch eine religiöse Erfahrung darstellte, alltäglich und trotzdem religiös, und die nach und nach von Banken oder Supermärkten oder Multiplexkinos verdrängt wurden. Heute gibt es nur noch ganz wenige von ihnen, …” (S.387)
“Unseren Fragen ist grundsätzlich zu misstrauen. Aber wir müssen sie stellen.” (S.538)
“Er hieß Victor García und hatte auf der rechten Schulter eine Tätowierung, die Fates Interesse weckte. Ein nackter Mann von hinten, der im Vorraum einer Kirche kniete und um den herum mindestens zehn sehr weiblich geformte Engel der Dunkelheit entstiegen wie Schmetterlinge, die die Gebete des Büßers herbeigerufen hatten.” (S.339)
“Seine Mutter, erwiderte Quincy, sei Mitglied der Christlichen Kirche der Verlorenen Engel gewesen. Vielleicht heiße die auch anders. Er erinnere sich nicht mehr. Die heiße in der Tat anders, sagte Mr. Lawrence, Christliche Kirche der Wiedergefundenen Engel.” (S.290)
Für mich ist diese Stelle so etwas wie eine augenzwinkernde Warnung des Erzählers, ja, wohl auch des Autors selber, seinen Romantext nie allzu plump verstehen zu wollen bzw. ihn übereilt einseitig misszuverstehen: manchmal könne auch das Gegenteil des Vermeinten oder perspektivisch Gesagten richtig sein; manchmal müsse auch proteushaft ein ganzes Spektrum von Möglichkeiten oder Nuancierungen in Erwägung gezogen werden, ohne dass dadurch bei allem spürbaren Willen zum Ernsthaften hin das Spielerische ganz aufgelöst werden dürfte.
Von “Veräppeln” würde ich nicht sprechen, Kunst war auch schon redlicherweise für Schiller ein “Schein”, allerdings und nicht zu vergessen: “ein aufrichtiger Schein”.
“Niemand schenkt den Morden Beachtung, dabei liegt in ihnen das Geheimnis der Welt verborgen.” (S.427)
Archimboldi „dachte im gleichen Moment, dass der Typ vor ihm nicht nur unangenehm, sondern geradezu lächerlich war, so lächerlich wie die Schmierenkomödianten und armen Teufel, die sich einbilden, einem entscheidenden Moment der Geschichte beigewohnt zu haben, wo doch jeder weiß, dachte Archimboldi, dass die Geschichte diese mausgraue Hure, keine entscheidenden Momente kennt, dass sie vielmehr eine Häufung von Augenblicken ist, von Zeitpunkten, die sich gegenseitig an Monstrosität überbieten.“ (S. 964)
„Während der nächsten Tage beschäftigte Archimboldi der Gedanke, dass Deutschland jetzt nichts so sehr brauche wie einen Bürgerkrieg.” (S. 966)
“Am Horizont sah er einen Hügel in dunkelgelben und schwarzen Farben. Hinter dem Hügel vermutete er die Wüste.” (S.376)
Guadalupe Roncal: “Natürlich wusste ich bereits, welches Schicksal, welches Ende meinen Vorgänger ereilt hatte.” …”Er wurde natürlich umgebracht. Er hat sich zu weit vorgewagt und wurde umgebracht. Nicht hier in Santa Teresa, sondern in DF.” (S.366)
Wird uns dieser ermordete Vorgänger Guadalupe Roncals im 4. Teil (chronologisch gesehen als Rückblick im Nachhinein) wieder begegnen? Nun nicht mehr namenlos, sondern dann vielleicht als Sergio González (S.679)?
Eine lösbare Rätselfrage zwischendurch:
Welche erst im 4. Teil genannte Frau hat noch vor Liz Norton offenbar im gleichen Zimmer desselben Hotels in Santa Teresa gewohnt?
(Mit freundlicher - allerdings nur indirekter - Hilfe des Erzählers lässt sich dies eindeutig erschließen.)
“Endlich erblicken sie ihn: sie begreifen, daß sie selbst der” X (GFL) “sind und daß der” X (GFL) “jeder einzelne von ihnen und sie alle ist.”
Dieser von mir (GFL) als “X” Zitierte hat bei Jorge Luis Borges (”Einhorn, Sphinx und Salamander / Buch der imaginären Wesen”, München Wien 1982) einen eigenen, einprägsamen Namen, den ich aber noch nicht verrate. In “2666″ wird er im 4. Teil in einer bezeichnend aufschlussreichen Variante auftauchen.
(Meiner Ansicht nach ist in diesem leicht überlesbaren Zitat des Borgesschen Lexikonnamens für ein bestimmtes imaginäres Wesen einer der Schlüssel zu “2666″ versteckt.)
“Aber Cesárea faselte weiter von kommenden Zeiten, bis die Lehrerin, um das Thema zu wechseln, fragte, was das denn für Zeiten seien und wann das sei. Cesárea nannte ein Datum: Irgendwann um 2600 herum. Zweitausendsechshundert und ein paar Zerquetschte, und als die Lehrerin über so eine willkürliche Zahl lachen mußte, ein ersticktes Lachen, kaum zu hören, da fing auch Cesárea wieder an zu lachen, obwohl ihre Stimme diesmal nur in ihrem Zimmer zu hören war.”
(Roberto Bolaño: “Die wilden Detektive” / Aus dem Spanischen von Heinrich von Berenberg, dtv 13182, München 2004 S.758)
“Die zweite Abweichung von der Normalität, die ich in Berlin erlebte, war sehr viel heftigerer Natur. Ich fuhr mit einer Freundin in ihrem Auto die Bismarckstraße entlang, als sich diese Verkehrsader plötzlich, auf einer Strecke von nicht mehr als fünfzehn Meter, in einen Boulevard in Lloret de Mar verwandelte. Ungelogen.” (Roberto Bolaño: “Exil im Niemandsland / Fragmente einer Autobiographie” / Aus dem Spanischen von Kirsten Brandt und Heinrich v. Berenberg, Berlin 2008, S.89f)
Fragen eines Buchhändlers in Santiago:
“Welche Bücher lesen die Verzweifelten?
Welche g e f a l l e n ihnen?
Wie stellen Sie sich das Lesezimmer eines zum Tode Verurteilten vor?”
(Roberto Bolaño: “Exil im Niemandsland”, a.a.O., S.58)
“Hans Reiter sagte, er wisse nicht, was der Unterschied sei zwischen einem guten pulärwissenschaftlichen Buch und einem guten liarischen Buch. Halder sagte, der Unterschied bestehe in der Schönheit, in der Schönheit der Geschichte und in der Schönheit der Sprache, in der sie geschrieben sei. Dann fing er an, ihm Beispiele zu geben. Er erzählte von Goethe und Schiller, erzählte von Hölderlin und Kleist, erzählte Wunderdinge von Novalis. Er sagte, er habe alle diese Autoren gelesen, und jedes Mal, wenn er sie wiederlese, müsse er weinen.
“Weinen”, sagte er, “weinen, verstehst du, Hans?” (S.797)
“Sie sprachen zum Beispiel von einer neuen Revolution, einer unsichtbaren Revolution, die schon gezeugt und unterwegs sei, aber frühestens in fünfzig Jahren die Straße erreichen werde. Oder in fünfhundert. Oder in fünftausend.” (S.678)
“Die Grenze zwischen Sonora und Arizona ist eine Kette geisterhafter oder verzauberter Inseln. Die Städte und Dörfer sind Schiffe. Die Wüste ist ein unendliches Meer.” (S.679)
“Und wer spielt mit in dem Film? Keanu Reeves, sagte der Chicano. Keanu in der Rolle des Mörders? Nein, als der Polizist, der ihn fasst. Und wer spielt den Mörder? Dieser Blonde, wie heißt er gleich? Der genauso heißt wie die Figur in einem Roman von Salinger, sagte der Chicano. Ah, den Autor habe ich nie gelesen, sagte Reinaldo. Du hast Salinger nicht gelesen? sagte der Chicano. Nun ja, nein, sagte Reinaldo. Eine gewaltige Lücke in Ihrem Leben, Bruder, sagte der Chicano.” (S.615)
“”Das war nicht Ihre erste Reise nach Mexiko”, sagte er, die Hände senkend, mit einem katzenhaften Lächeln.
“Nein”, sagte der Weißhaarige, “ich war vor einiger Zeit, vor ein paar Jahren, schon einmal da (vgl. S.698ff, GFL) und versuchte zu helfen, aber vergeblich.” (S.330)
…
“”Und was ist Ihre nichtoffizielle Meinung zu dem, was hier passiert?”
“Ich habe mehrere Meinungen, Edward,” …
“Professor Kessler, ich schweige wie ein Grab.”
…
“Ich werde dir drei Überzeugungen mitteilen. A: Diese Gesellschaft steht außerhalb der Gesellschaft, alle, wirklich alle dort sind wie die ersten Christen im Zirkus. B: Die Verbrechen tragen verschiedene Handschriften. C: Diese Stadt wirkt vital, wirkt irgendwie fortschrittlich, aber das Beste wäre, ihre Bewohner würden eines Nachts hinaus in die Wüste und über die Grenzen gehen, alle, ohne Ausnahme.” (S.330)
“Großer Gott, sagte der Kommissar. Wer hat verflucht noch mal die Witze (… diese Witze über Frauen, GFL …) erfunden? sagte der Kommissar. Und die Sprichwörter? Wo kommen sie verflucht noch mal her? Wer hat sie als erster g e d a c h t ? Wer als erster
e r z ä h l t ?” (S.672)
S.775
“1920 kam Hans Reiter zur Welt. Er sah nicht aus wie ein Säugling, sondern wie eine Alge.”
S.777
“Außerdem klaute er mit sechs Jahren zum ersten Mal ein Buch.”
S.777
“Damals begann er zu tauchen. Im Jahr 1926.”
S.777
“Mit sechs fand er, ein Meter sei ziemlich wenig, und stürzte sich kopfüber auf den Meeresgrund.”
S.798
“Wie es der Zufall oder der Teufel wollte, war das Buch, das Hans sich ausgesucht hatte, der P a r z i v a l von Wolfram von Eschenbach.”
S.799
“Und was ihm am meisten gefiel, was ihn zu Tränen rührte und veranlasste, sich vor Lachen im Gras zu wälzen, war, dass Parzival gelegentlich sein Pferd bestieg
(R i t t e r d i e n s t i s t m e i n B e r u f), unter seiner Rüstung aber sein Narrenkleid trug.”
S.813
“Es war in jenen Tagen,” (…) “, dass Reiter dachte, unter seiner Wehrmachtsuniform trüge er ein Narrenkleid oder einen Narrenpyjama.”
S.895
“Er zog durch den Kaukasus bis Budennowsk und durchquerte mit seinem Bataillon die kalmückische Steppe, Anskys Heft immer unter seinem Waffenrock verborgen, zwischen seiner Narrenkleidung und seiner Soldatenuniform.”
——————————————
“Nur Narr, nur Dichter.” (Friedrich Nietzsche)
Ist das autobiographische Buch Benno von Wieses “Ich erzähle mein Leben / Erinnerungen” (F.a.M. 1. Aufl. 1982) eines der vielen Bezugsbücher von “2666″?
Oder sind die an den folgenden ersten zwei Zitaten ablesbaren, z. T. verblüffenden Übereinstimmungen mit den voranstehenden Parzival-Zitaten aus “2666″ rein zufälliger Art?
S.103
“Ich kam mir vor wie Parzival, der reine Tor, der sich vergeblich zum Gral aufgemacht hatte.” (BvW)
S.170
“Die erste Regel für den einfachen Soldaten heißt: so wenig wie möglich auffallen. Eben das war mich schlechterdings undurchführbar. Ich fiel auf, wo ich nur ging und stand. Schon meine körperliche Größe, 1 Meter und 93 Zentimeter, war eine schlechte Vorgabe. Außerdem wirkte ich in der nie sitzenden Uniform immer so, als trüge ich eine karikierende Verkleidung.”
S.171
“Der Vorname Benno blieb mein Identitätsnachweis.”
S.810 (”2666″)
“in der Praxis war der am besten für den Angriff geeignete Soldat klein, dünn wie Spargel und flink wie ein Eichhörnchen.”
(Von der sprachlichen Wendung her u. a. eine Parodie auf Hitlers bekanntes Diktum “hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder”?)
S. 811
“In seinem neuen Soldatenranzen befanden sich nur etwas Kleidung und das Buch T i e r - u n d P f l a n z e n a r t e n a n E u r o p a s K ü s t e n.”
@Landsberger S. 810
“dünn wie Spargel, zäh wie Leder”
Ich würde aus der Verwendung einer rhetorischen Figur bzw. einer Gedankenfigur nicht gleich eine Analogie oder Parodie machen, obwohl natürlich nachzuvollziehen ist, dass der Kontext des 2. Weltkrieges eine Assoziation zulässt. Das Verwenden von sprachlichen Stilmitteln, wie in diesem Fall die Gedankenfigur des Vergleichs aus der Gruppe syntaktisch bestimmter rhetorischer Figuren hat bei Ihnen diese Assoziation hervorgerufen, was ich gut finde, allgemein gültig scheint sie mir nicht.
Lassen Sie mich doch auch mal der Besserwisser sein
Herzlichen Gruß
http://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Literatur)
@DiHi
Von etwas Beweisbarem hatte ich aber doch gar nicht gesprochen?
Es war faktisch nur ein Gefühl, etwas bloß Erspürtes.
Manchmal schwingt in einer Wendung doch nur etwas mit.
“Wenn ihrs nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen.”
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin doch klüger als WIE zuvor.
“Nichts Abgeschmackters gibt es freilich als wie ein Teufel, der verzweifelt.”
S.1030
“Er schwamm, aber der Algenjunge war tot. Trotzdem schwamm er gut. Tauchte manchmal.”
S.1000
“eine Zahl, dachte er, als er wieder allein war, ist immer ein Annäherungswert, die korrekte Zahl gibt es nicht”
S.972
“Am Abend, während seines Dienstes am Eingang der Bar, dachte er über die Zeit der zwei Geschwindigkeiten nach, davon die eine so langsam war, dass Menschen und Gegenstände sich in ihr fast unmerklich bewegten, die andere so schnell, dass alles, selbst das Schwerfälligste und Behäbigste, vor Geschwindigkeit flimmerte. Die eine Zeit hieß Paradies, die andere Hölle, und Archimboldi wünschte sich nur, in keiner der beiden jemals leben zu müssen.”
In welcher der beiden Zeiten leben wir heute? In einer der beiden oder in keiner derselben? Oder in beiden? Wenn ja: Nacheinander? Oder abwechselnd? Oder gleichzeitig?
S. 13
“Das erste Mal las Jean-Claude Pelletier ein Buch von Benno von Archimboldi Weihnachten 1980 (- als dieser Schriftsteller gerade 60 war, GFL -) in Paris, wo er, neunzehn Jahre alt, an der Universität deutsche Literatur studierte.”
S.884
“In Anskys Heft kommt der italienische Maler Arcimboldo vor, es ist das erste Mal, dass Reiter (- damals etwa 21 Jahre alt -, GFL) etwas über ihn liest, Giuseppe oder Joseph oder Josepho oder Josephus Arcimboldo oder Arcimboldi oder Arcimboldus, geboren 1527, gestorben 1593 ( - ziemlich genau 400 Jahre vor dem zeitlichen Beginn des 4. Romanteils, des “Teils der Verbrechen”, GFL -).”
S.1030
“Über das Manuskript des jungen Schriftstellers aus Dresden, der übrigens Schwierigkeiten mit der Zensur in der Deutschen Demokratischen Republik gehabt hatte, wurde nichts bekannt.”
S.754 “Mir fiel auf, dass es zwei Spiegel im Zimmer gab.”
S.755 “Wer nicht im Spiegel auftauchte, war ich.”
“Und niemand erinnert sich mehr an den Botaniker Fuerst Pueckler, niemand mehr an den vorbildlichen Gartenbaumeister Fuerst Pueckler, niemand hat den Schriftsteller gelesen. Aber jeder hat irgendwann in seinem Leben ein Fuerst-Pueckler-Eis gegessen, besonders im Fruehjahr und im Herbst eine reizvolle und schmackhafte Sache.”
“Warum nicht im Sommer?” fragte Archimboldi.
“Weil es im Sommer immer etwas eklig ist. Fuer den Sommer eignet sich Wassereis besser als Milcheis.” (S. 1085)
“Ein aeusserst raetselhaftes Vermaechtnis, finden Sie nicht?”
(S. 1085)
“Ich bin Romanschriftsteller”, sagte Archimboldi.
“Aber Sie sind kein Franzose”, sagte die schweigsame Alte.
“Richtig, ich bin Deutscher.”
(S. 1044)
Herr Landsberger könnten sich mich bitte aufklären auf welcher seite im vierten Teil steht wer vor Liz Norton schon in dem Hotel in Santa Tereza gewohnt haben soll.
Vielen dank sie wuerden mir imens weiterhelfen
bwTOzrN
Hi pipls uyi ui i !!!!
я ебу ))
Hi piplsi ui i !!!!
dlrikser prezzi viagra in italia ewr
Hi piplsi ui i !!!!
dlrikser viagra codici ewr
Hi piplsi ui i !!!!
dlrikser viagra prescrizione l erezione impotenza maschile ewr
Hi piplsi ui i !!!!
dlrikser solo affitti viagra ewr
Hi piplsi ui i !!!!
site cool !!!!!!